Cauda equina beim Hund – Ursachen, Symptome, Therapie

Wenn dein Hund schwer aufsteht, sich weigert, Treppen zu steigern oder seine Krallen durch Schleifen der Pfoten stark abnutzt, könnte er an einem Cauda equina Syndrom erkrankt sein. In diesem Artikel kannst du dich über die wichtigsten Symptome und Behandlungsmöglichkeiten des Cauda equina Syndroms informieren.

Was versteht man unter Cauda equina Syndrom

Das Cauda equina Syndrom, oder degenerative lumbosakrale Stenose, ist eine schmerzhafte Erkrankung der Wirbelsäule und des Rückenmarks.

Welche Hunderassen sind betroffen

Vor allem Hunde, die mehr als 20 kg wiegen, erkranken an dem Cauda equina Syndrom. Deutscher Schäferhund, Riesenschnauzer, Husky, Dobermann, Rottweiler und Boxer sind oft betroffen. Bei den kleinen Hunderassen zeigt der Kleinpudel Symptome des Cauda equina Syndroms.

Anatomie des Hunderückens

Die Wirbelsäule besteht aus vielen, verschiedenen Wirbeln, die durch Bandscheiben voneinander getrennt werden. Jeder Wirbel, der sich aus einem Wirbelkörper und dem Wirbelbogen zusammensetzt, ist durch Gelenke mit den benachbarten Wirbeln verbunden. Das Rückenmark liegt geschützt im Wirbelkanal, der von Wirbelkörper und Bogen gebildet wird. Die Cauda equina stellt den letzten Teil des Rückenmarks dar, die pferdeschweifartigen Spinalnervenwurzeln. Diese teilen sich auf und verlassen über kleine Öffnungen den Wirbelkanal. Sie dienen dazu, Nervensignale aus dem Gehirn in die hintere Körperhälfte des Hundes zu leiten. Der Übergang der Lendenwirbelsäule zum Kreuzbein wird durch das sehr bewegliche Lumbosakralgelenk gebildet. Das Kreuzbein verbindet das Becken mit der Wirbelsäule. Ist der Wirbelkanal im Bereich der Halswirbelsäule noch sehr weit, verengt er sich im weiteren Verlauf auf die Hälfte seines Durchmessers.

Wie entsteht das Cauda equina Syndrom

Mit zunehmendem Lebensalter bilden sich an der Wirbelsäule degenerative Veränderungen, vor allem im Bereich des letzten Lendenwirbels und des ersten Kreuzwirbels. An dieser Stelle der Wirbelsäule ist der Wirbelkanal nur sehr flach ausgeprägt. Im Wirbelkanal liegen als Ende des Rückenmarks die langen Nervenwurzeln, die die Hinterbeine, das Becken und den Schwanz mit Nervenimpulsen versorgen.

Durch die ständige Belastung kann sich in diesem Abschnitt der Wirbelsäule eine Arthrose (Abnutzung der Knochen) ausbilden.

An den Wirbeln bilden sich Knochenspitzen aus, die den Wirbelkanal einengen und Druck auf die Nervenwurzeln ausüben.

Ursachen

Alter: Abnutzung durch ständiges Laufen und Springen.

Übergewicht und Überbelastung fördern die Ausbildung von Abnutzungserscheinungen.

Symptome

Oft werden die ersten Symptome des Cauda equina Syndroms nicht sofort wahrgenommen, sondern als übliche Alterserscheinungen betrachtet. Der Hund wird halt langsamer, springt nicht mehr so gerne und bewältigt nicht mehr so lange Spaziergänge.

Dein Hund zeigt eine höhere Schmerzempfindlichkeit im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Beckens. Die Hinterbeine können nicht mehr exakt vorgeführt werden. Dabei schleifen die Krallen über den Boden und nutzen sich im vorderen Bereich der Spitze verstärkt ab.

Dein Hund steht nur langsam und schwerfällig auf. Eventuell zeigt er dabei Schmerzen, wie Winseln, Hecheln und Schluckbewegungen.

Möchtest du deinen Hund auf einer Autofahrt mitnehmen, wird er nicht mehr gerne in das Auto einsteigen, da Springen für ihn schmerzhaft ist.

Treppensteigen bereitet deinem Hund Probleme, da er die Hinterbeine nicht mehr ausreichen anheben kann.

Drückst du beim Streicheln vorsichtig auf den Beckenbereich, wird sich dein Hund fallen lassen.

Die Hautreflexe im Bereich der Lendenwirbelsäule sind gesteigert.

Die Kommunikation mit Artgenossen ist eingeschränkt, da der Schwanz teilweise gelähmt ist.

Durch falsche Schmerzempfindungen (Missempfindungen) leckt der Hund an Schwanz und Schwanzansatz. Werden die Schmerzen nicht behandelt, kann es zu Selbstverstümmelung durch Abnagen des Schwanzes oder des Penis kommen.

Schreitet die Lähmung weiter fort, sind auch die Schließmuskel von Blase und After betroffen, die ebenfalls durch die Nervenwurzeln des Plexus sacralis versorgt werden. Dein Hund wird immer wieder unbewusst Kot verlieren oder Harn unter sich lassen.

Der Schwanz hängt bewegungslos nach unten, ein „Hammelschwanz“ entsteht.

Einige der Lähmungserscheinungen verstärken sich bei Bewegung, da durch die Instabilität des Wirbelbereichs zusätzliche Durchblutungsstörungen auftreten.

Diese Ausfälle können plötzlich auftreten, oder sich langsam, über Monate hinweg, entwickeln.

Diagnose

Neurologische Untersuchung: bei dieser Untersuchung wird das Gangbild des Hundes, sowohl im langsamen, als auch im schnellen Gang beurteilt. Heute helfen verschiedene Computerprogramme bei der Analyse des Gangbildes und der Darstellung krankhafter Veränderungen.

Röntgen: Mit Hilfe einer Röntgenaufnahme können gröbere Veränderungen der Wirbel dargestellt werden. Tumore und Bandscheibenvorfälle können so ausgeschlossen werden.

Eine Kontrastuntersuchung (Myelographie) hilft, die Einengungen des Wirbelkanals genauer darzustellen.

MRT: die Kernspintomographie ermöglicht die genaue Darstellung der Cauda equina Nerven und die Lokalisation der Ursache der Schmerzzustände.

CT: die Computertomographie ermöglicht eine genaue Darstellung der Veränderungen im Wirbelkanal und damit eine bessere Planung der nötigen Operation.

Therapie

Eine konservative Therapie durch Bewegungseinschränkung, Schmerztherapie und entzündungshemmende Medikamente kann für einige Zeit Abhilfe schaffen und durch Entlastung die Entzündungen an den arthrotischen Veränderungen abheilen lassen. Belastet der Hund wieder diesen Bereich der Wirbelsäule, oder setzt man die Medikamente ab, können die ursprünglichen Symptome wieder verstärkt auftreten.

In schweren Fällen ist aber eine Operation zur Druckentlastung der Nervenwurzeln und Ausweitung des Wirbelkanals unumgänglich. Der Wirbelbogen wird während der Osteosynthese (operative Verbindung von Knochenteilen) entfernt, die Austrittslöcher für die Nerven werden erweitert, die Bänder werden bei Bedarf durchtrennt. Anschließen werden der letzte Lendenwirbel und der erste Kreuzwirbel stabil miteinander verbunden.

Durch die operative Druckentlastung hat das Nervengewebe die Chance zu heilen. Sind noch keine dauerhaften Lähmungen vorhanden, können sich die neurologischen Funktionen vollständig erholen.

Sollte ein erkrankter Hund eingeschläfert werden

Diese Frage kann nicht allgemein beantwortet werden. Wichtig ist es, den Allgemeinzustand des Hundes und die Heilungschancen objektiv zu beurteilen. Gelingt es, dem Hund ein schmerzfreies Leben zu ermöglichen, ist schon viel erreicht. Bleiben Lähmungen bestehen, sind auch bereits für Hunde entsprechend angepasste Prothesen erhältlich, die ein weiteres, lebenswertes Hundeleben ermöglichen.

Rehabilitation

Da es sich um eine schwerwiegende Operation handelt, ist es nötig, deinen Hund anschließend für mindestens sechs Wochen ruhig zu stellen. Anschließend kann man mit langsamer Bewegung beginnen. Eine Physiotherapie auf einem Unterwasserlaufband fördert das Fortschreiten der Heilung, ein normales Gangbild wird rascher erreicht. Durch an den Hinterbeinen angebrachten Expandern, kann die Wirkung der Bewegungstherapie unter Wasser noch verstärkt werden.

Massagen lösen Verkrampfungen der Muskeln und helfen, die normale Gelenksfunktion wieder herzustellen.

Haben sich einige Muskeln durch die fortschreitenden Lähmungen bereits zurückgebildet, können diese mit einer Elektrostimulationstherapie und Reizstrom wieder zu mehr Aktivität angeregt werden.

Osteopathische Behandlungen dienen dazu, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und Blockaden und Bewegungseinschränkungen zu lösen.

Es ist wichtig für die Rehabilitation, einen entsprechenden Therapieplan zu erstellen und diesen konsequent einzuhalten.

Alternative Heilmethoden

Teufelskralle: Die Teufelskralle hat entzündungshemmende, abschwellende und in geringem Maß auch schmerzstillende Wirkungen. Daher wird sie gerne bei Arthrose oder anderen chronischen Knochenveränderungen eingesetzt. Die enthaltenen Bitterstoffe hemmen die Bildung von Leukotrienen und Zytokinen, die für die Ausbildung von Entzündungen verantwortlich sind.

Weihrauch: ist ein natürliches Heilmittel bei chronischen Entzündungen. Die Öle und Gerbstoffe des Weihrauchs enthalten Boswelliassäuren, die eine starke entzündungshemmende Wirkung haben. Sie stoppen die Produktion von Leukotrienen.

Traumeel: kann in Form von Salben, Tabletten oder Tropfen verabreicht werden. Traumeel enthält Arnica, Ringelblume, Hamamelis, Echinacea, Kamille, Johanniskraut und andere Pflanzenbestandteile. Es kann sowohl bei Verletzungen, als auch bei chronischen Abnützungserscheinungen an Knochen und Gelenken angewendet werden. Es wirkt entzündungshemmend, abschwellend und heilen.

Lasertherapie: Bestrahlungen mit einem Infrarotlaser stellen eine Tiefenwärmetherapie dar. Die Wärmestrahlung des Lasers dringt tiefer ein, als die herkömmlicher Wärmelampen. Die Muskeln entspannen sich durch die Wärme, die Durchblutung wird gesteigert und Schadstoffe können schneller abtransportiert werden. Durch die Entspannung der Muskulatur wirkt die Lasertherapie auch schmerzstillend.

Vorbeugung

Große, schwere Hunderassen sollten nicht durch Springen über hohe Hindernisse beim Hundesport überlastet werden. Auch langes Nebenherlaufen neben einem Fahrrad ist für viele große Hunde, wie zum Beispiel Molosser, sicher nicht die geeignete Auslaufmöglichkeit.

Ist dein Hund überaktiv, sorge dafür, dass er auch immer wieder Ruhepausen einlegt, um seinen Rücken zu entlasten.

Ein junger Hund, der sich noch im Wachstum befindet, sollte seine Wirbelsäule nicht übermäßig belasten, da diese noch weich und verletzlich ist. Verletzungen, die zu diesem Zeitpunkt erfolgen, können den Grundstein für ein späteres Cauda equina Syndrom legen. Hundesport sollte erst ausgeübt werden, wenn dein Hund komplett ausgewachsen ist.

Willst du deinen Hund als Diensthund oder Sporthund einsetzen, lass eine Röntgenuntersuchung durchführen, um festzustellen, ob ein Überganswirbel vorhanden ist. Dieser verursacht eine stärkere Beweglichkeit im Bereich des Übergangs von der Lendenwirbelsäule zum Kreuzbein. Hunde mit einem Überganswirbel sind nicht für intensiven Hundesport geeignet.

Vermeide Übergewicht. Zu hohes Gewicht führt zu einer starken Belastung der Knochen und Gelenke und fördert Abnutzungs- und Entzündungserscheinungen. Füttere hochwertiges, fettarmes Futter, das die Bedürfnisse deines Hundes vollständig abdeckt.

Achte auf die Hinterbeine deines Hundes: Bei der Pflege der Krallen an den Hinterpfoten fallen unregelmäßige Abnutzungserscheinungen meist schon im Anfangsstadium auf.

Je früher ein Cauda equina Syndrom erkannt wird, umso größer sind die Chancen auf Heilung und ein weitgehend beschwerdefreies Hundeleben.

Hunde mit chronischen Lähmungen und anderen neurologischen Dysfunktionen brauchen länger für die Rehabilitation. Manche Hunde erlangen nie mehr ihre vollen Nervenfunktionen zurück. Zumindest aber erhöht sich auch deren Lebensqualität nach der Operation, da sie dann die Möglichkeit haben, schmerzfrei zu leben.

Zusammenfassung

Das Cauda equina Syndrom der Hunde ist eine schwere, neurologische Erkrankung, die für den betroffenen Hund mit Bewegungseinschränkungen und starken Schmerzen verbunden ist. Wird es rechtzeitig erkannt, kann dein Hund oft ohne bleibende Folgeschäden wieder ein normales Hundeleben führen. Wichtig ist aber, immer auf das Gewicht deines Hundes und das Vermeiden von übermäßigen Belastungen zu achten, damit nicht ein neues Cauda equina Syndrom entsteht.

Auch ein Hund mit Behinderungen kann bei entsprechender Versorgung noch ein glückliches, artgerechtes Hundeleben führen.

 

 

 

 

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