Durchfall beim Hund – Ursachen, Symptome, Therapie

Durchfall bei Hunden ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom, das bei vielen verschieden Krankheiten auftreten kann. In diesem Artikel kannst du dich informieren, warum dein Hund Durchfall haben könnte und was die bestmögliche Therapie für deinen Hund ist.

Was versteht man unter Durchfall

Durchfall ist eine Ausscheidung unerwünschter Stoffe, vermischt mit flüssigem Kot durch verstärkte Darmtätigkeit.

Anatomie und Funktion des Verdauungstraktes

Hunde benötigen in der Natur Zeit, um ein Beutetier zu jagen und zu erlegen. Die Verdauung danach soll rasch vor sich gehen. Daher ist der Magen- Darmtrakt kürzer ausgebildet, als bei Pflanzenfressern.

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Der Verdauungstrakt des Hundes besteht aus der Speiseröhre, dem Magen, dem Pankreas, dem Dünndarm (Duodenum, Jejunum, Ileum), dem Dickdarm (Caecum und Colon) und dem Enddarm (Rectum).

Die Beute wird zerkleinert, mit Speichel vermischt und durch Muskelbewegungen in den Magen befördert. Dort wird Eiweiß durch Magensäure aufgespalten.

Nach circa zwölf Stunden gelangt der Futterbrei in das Duodenum, wo durch weitere Enzyme eine Aufspaltung der Fette erfolgt. Im Jejunum werden die Nährstoffe über Darmzoten von Blut und Lymphe aufgenommen und abtransportiert. Das Caecum ist bei Hunden nur gering ausgebildet. Hier werden Futterreste zersetzt und Vitamine gebildet.

Im Colon werden die letzten Futterreste durch Bakterien aufgespalten. Wasser wird dem Futterbrei entzogen und dem Körper wieder zugeführt.

Im Enddarm wird das unverdauliche Material bis zu seiner Ausscheidung aus dem After gelagert.

Ist die normale Funktion des Verdauungstraktes gestört, wird der Futterbrei infolge stärkerer Muskelbewegungen rascher durch den Darmtrakt geschleust. Da nicht mehr ausreichend Wasser rückgewonnen werden kann, wird flüssiger, ungeformter Kot ausgeschieden.

Welche Krankheiten können Durchfall verursachen

1. Befall mit Endoparasiten

Durchfall bei Hunden

Durchfall beim Hund

Darmparasiten kommen bei Hunden jeden Alters vor. Nicht alle Darmparasiten sind, wie Würmer, mit freiem Auge, sichtbar. Giardien und Kokzidien sind Einzeller, die in der Darmwand parasitieren und schwere Durchfälle verursachen.

  • Giardien

Sind kleine Geißeltierchen, die sich in der Darmschleimhaut festsetzen. Sie werden hauptsächlich durch verunreinigten Kot, infiziertes Wasser oder Futter übertragen.

Symptome

Bei einer Infektion mit Giardien hat dein Hund Bauchkrämpfe, er erbricht und setzt flüssigen, blutig- schleimigen Kot ab. Besteht die Infektion länger, wird dein Hund schneller müde, er verliert Gewicht, das Fell wird stumpf.

Vor allem infizierte Welpen magern rasch ab und entwickeln infolge des Nährstoffmangels Wachstumsstörungen.

Der schleimige Durchfall tritt immer wieder, oft nach mehrwöchigen Pausen auf.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt durch den Nachweis von Giardien- DNA. Der Kot kann mittels Immunfluoreszenz auf Giardien- Antigen untersucht werden. Dieser Test bleibt oft für viele Monate positiv, obwohl keine weitere Infektion mit Giardien vorliegt. Sammelst du über mehrere Tage Kotproben; können die Giardien- Zysten auch mikroskopisch nachgewiesen werden.

Therapie

Durch Verabreichung spezieller Entwurmungsmittel im mehrere Zyklen, können Giardien wirkungsvoll bekämpft werden. Zusätzlich ist ein Hygieneplan erforderlich, da die Zysten auch außerhalb des Hundes lange Zeit überleben können. Durch Belecken erfolgt dann eine neue Infektion.

Infusionen helfen, den ständigen Flüssigkeitsverlust durch den Durchfall auszugleichen.

Eine Überwachung der Funktion von Leber und Niere ist bei dieser Therapie unbedingt erforderlich, damit keine bleibenden Schäden durch die Medikamente auftreten können.

Homöopathie

Giardia C200: eine Nosode, die nur begleitend zur Schulmedizin bei sehr hartnäckigen Fällen eingesetzt werden sollte.

Flor de piedra C30: beugt Leberschäden vor

Da die immer wiederkehrenden Durchfälle deinen Hund stark schwächen, benötigt er entsprechende Aufbaukost. Diese sollte vor allem aus gut verdaulichen Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen bestehen. Eine zu hohe Menge an Kohlenhydraten kann neuerlich Durchfälle verursachen.

Für Welpen ist die Infektion mit Giardien ohne Behandlung tödlich, für ältere Hunde stellt sie eine sehr starke Belastung dar.

  • Kokzidiose

Die Ansteckung erfolgt über mit Isospora canis verunreinigtes Trinkwasser oder Futter. Die aufgenommenen Oozysten wandern in den Darm deines Hundes weiter und zerstören dort die Darmzellen, die für die Nährstoffaufnahme verantwortlich sind. Mit dem Kot werden weitere Oozysten ausgeschieden, die in der Umwelt monatelang überleben können.

Hat sich dein Hund mit Kokzidien angesteckt, leidet er unter Durchfall, der sehr flüssig und mit Blut vermischt ist. Bei Welpen kann eine Kokzidiose innerhalb kürzester Zeit zum Tod führen.

Die Diagnose wird durch mikroskopischen Nachweis der Oozysten im Kot gestellt. Ist der Befund negativ, sollte er noch mehrmals wiederholt werden.

Die Therapie erfolgt mit speziellen Antiparasitika. Besitzt du mehrere Hunde, ist es wichtig, auch alle Hunde ohne Durchfall zu behandeln.

  • Spulwürmer- Toxocara canis

Spulwürmer leben im Darm der Hunde und können bis zu 18 cm lang werden. Die Ansteckung erfolgt über mit dem Kot ausgeschiedene Eier, aus denen im Hundedarm Larven schlüpfen. Diese wandern über Leber und Lunge in den Atmungstrakt. Werden die Larven ausgehustet, können sie neuerlich abgeschluckt werden und sich im Verdauungstrakt zu erwachsenen Würmern entwickeln.

Besteht der Wurmbefall bereits über längere Zeit, können Würmer im Erbrochenen oder Kot direkt nachgewiesen werden. Der Bauch deines Hundes ist durch Gasansammlungen aufgebläht, das Fell wirkt stumpf. Bei erwachsenen Hunden tritt nur manchmal leichter Durchfall auf.

Bei Welpen kann es bei einem Befall mit Spulwürmern auch zu einer Schädigung der Darmwand und einer Bauchfellentzündung kommen.

Regelmäßige Entwurmungen schützen Mensch und Hund vor hochgradigem Wurmbefall. Möchtest du deinen Hund nicht mindestens alle drei Monate entwurmen, kannst du als Ersatz regelmäßig eine Kotuntersuchung auf Wurmeier im Labor durchführen lassen.

  • Hakenwürmer- Ancylostoma

Hakenwürmer werden bei Fressen eines Zwischenwirts, aber auch über die Muttermilch aufgenommen. Sie können sich auch aktiv durch die Haut deines Hundes bohren und in den Darm wandern.

Hakenwürmer erreichen eine Größe von 3 bis 18 mm. Sie beißen mit zahnartigen Strukturen der Mundkapsel die Darmzotten ab und saugen sich fest. Dein Hund zeigt Symptome, wie Abmagerung, Schwäche, Durchfall. Besteht die Infektion über eine längere Zeit, kommt es zu einem Mangel an roten Blutkörperchen.

Die Diagnose wird über eine Kotuntersuchung durch mikroskopischen Nachweis der Eier gestellt.

Therapie: Verabreichung von speziellen Wurmmitteln.

  • Bandwürmer- Taenia, Echinococcus

Die Wurmeier werden durch Zerbeißen von Flöhen aufgenommen und entwickeln sich im Darm zu erwachsenen Bandwürmern. Dein Hund ist müde, magert ab und leidet an Durchfall. Da die Bandwurmglieder auch aktiv aus dem After auswandern, entsteht starker Juckreiz. Der Hund rutscht mit dem Hinterteil über den Boden.

Die Diagnose wird über den mikroskopischen Nachweis der Wurmeier im Kot gestellt.

Therapie: Verabreichung spezieller Wurmmittel. Da der Floh ein Zwischenwirt für Bandwürmer darstellt, ist auch eine effektive Flohbekämpfung nötig.

2. Infektionskrankheiten

Die meisten viralen Infektionskrankheiten bei Hunden sind mit starken Durchfällen verbunden.

  • Parvovirose

Parvovirose oder Katzenseuche wird durch das canine Parvovirus ausgelöst. Es können Hunde jeden Alters erkranken, für Welpen verläuft die Erkrankung meist tödlich. Die Übertragung erfolgt von Hund zu Hund über den Kot. Das Virus dringt in die Zellen von Darm, Knochenmark und Herz ein und vermehrt sich dort. Jungtiere sind dadurch nicht in der Lage, ein gutes Immunsystem aufzubauen. Sie zeigen hohes Fieber, Appetitlosigkeit, Erbrechen und stark blutigen Durchfall. Ist auch der Herzmuskel betroffen, tritt der Tod durch Herzversagen ein. Auch erwachsene Hunde können bei schweren Verlaufsformen innerhalb von 48 Stunden sterben.

In den ersten Stunden kann das Virus direkt im blutigen, flüssigen Kot nachgewiesen werden.

Die Therapie erfolgt mit Infusionen und Antibiotika. Zur Stärkung des Immunsystems wird Interferon verabreicht.

Vorbeugend sollte dein Hund gegen Parvovirose geimpft werden.

  •  Staupe

Das canine Staupevirus wird mit Harn, Kot und Nasensekret von Hund zu Hund übertragen. Die Viren vermehren sich zuerst im Rachenraum und in den Bronchien. Anschließend breiten sie sich in Nervengewebe, Atmungstrakt, Verdauungstrakt und Harntrakt aus.

Der Hund erbricht, frisst nicht mehr und hat schleimigen Durchfall. Aus Nase und Augen rinnt eitriger Ausfluss, trockener Husten und Fieber tritt auf. Sind auch die Nerven befallen, entstehen Lähmungen oder Zuckungen (Staupe- Ticks) Der Nasenspiegel und die Zehenballen verhornen infolge vermehrter Keratinbildung.

Befindet sich der Hund noch im Wachstum wird auch der Schmelz der bleibenden Zähne geschädigt, ein Staupe- Gebiss entsteht.

Die Diagnose erfolgt durch einen Abstrich der Schleimhäute und einen Virusnachweis.

Bei der Therapie werden Infusionen und Antibiotika gegen zusätzliche Infektionen mit Bakterien verabreicht. Ist der Hund geimpft, kann die Staupe milde verlaufen. Für Welpen ist sie meistens tödlich, überleben sie dennoch, bleiben oft schwere Nervenschäden zurück

3. verdorbenes Futter

Frisst dein Hund verdorbenes, mit Bakterien (Salmonellen, Yersinien, Campyxlobacter) verunreinigtes Futter, sind schwere Entzündungen der Darmschleimhaut die Folge. Dein Hund erbricht. Zusätzlich tritt für einige Tage Fieber und dünnflüssiger, manchmal schleimiger Durchfall auf.

Als Therapie erhält dein Hund Infusionen und Antibiotika. Falls nötig werden auch fiebersenkende Medikamente verabreicht.

4. Stress

Bei Stress schüttet die Nebennierenrinde eine erhöhte Menge an Kortisol aus. Dein Hund sondert breiigen Kot ab.

Vielleicht hast du schon beobachtet, dass dein Hund nach einer Abrichtestunde am Hundeplatz mit Durchfall reagiert. Dies ist auf ein Nachlassen der Anspannung zurückzuführen. Diese Form des Durchfalls bedarf keiner Therapie. Am besten gönnst du deinem Hund Ruhe und eine Erholungspause.

5. IBD- Inflammatory Bowel Disease

Die IBD ist eine chronische Entzündung von Magen und Darm, die wahrscheinlich durch ein fehlgeleitetes Immunsystem ausgelöst wird.

Meist sind sowohl der Dünndarm als auch der Dickdarm betroffen. Durch die ständige Reizung lagern sich Entzündungszellen in die Darmschleimhaut ein, diese schwillt an und vernarbt bei unbehandelter Erkrankung. Das Futter kann dadurch nicht mehr richtig verdaut werden und wird zu schnell wieder ausgeschieden.

Durch den ständigen Durchfall verliert dein Hund Gewicht, die notwendige Versorgung mit Nährstoffen kann nicht mehr stattfinden. Das Fell wird stumpf und glanzlos, die Haut schuppt.

Die Diagnose der IBD erfolgt über Ultraschall (Darstellung der verdickten Schleimhaut) und Biopsie.

Eine Heilung ist nicht möglich. Bei der Therapie wird der Flüssigkeits- und Nährstoffverlust durch Infusionen ausgeglichen. Kortison mildert die Durchfälle.

6. Futtermittelallergien

Führen durch Reizung der Darmschleimhaut zu chronischen Durchfällen und bleibender Schädigung der Darmzotten. Eine Therapie erfolgt durch Vermeidung des Allergens im Futter oder Verabreichung von speziellem Diätfutter.

Die Diagnose wird über eine Eliminationsdiät gestellt. Dabei fütterst du deinem Hund über sechs bis acht Wochen nur eine Fleischsorte (Känguru oder Hirsch). Anschließend wird eine weitere Fleischsorte oder Getreide zugefüttert. Reagiert dein Hund wieder mit Durchfall, solltest du diesen Futterbestandteil meiden.

7. Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse

Durch eine verringerte Abgabe von Verdauungsenzymen bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse kann der Futterbrei nicht ausreichend aufgeschlossen werden. Durchfälle durch nicht aufgespaltene Fette treten auf.

8. Erkrankungen der Leber

Auch Erkrankungen der Leber können durch zu geringe Absonderung von Gallenflüssigkeit zu einer schlechten Verdauung von Fetten führen, Durchfälle sind die Folge.

Allgemeine Symptome bei Durchfall

Dein Hund erbricht, er scheidet breiigen bis flüssigen Kot aus, der mit Schleim oder Blut vermengt sein kann. Durch die Reizung des Enddarms wird Kot häufig, in kleinen Mengen und unter großer Anstrengung abgesetzt. Der Appetit ist verringert, der Bauch aufgebläht und schmerzhaft.

Therapie

Durch Infusionen wird der Flüssigkeitsverlust ausgeglichen und der Kreislauf gestützt. Die Ausbildung einer gesunden Darmflora kann durch Fütterung von probiotische Präparate gefördert werden.

Alle weiteren Therapiemaßnahmen richten sich nach der Ursache der Erkrankung.

Zusammenfassung

Durchfall ist ein ernstzunehmendes Symptom vieler Erkrankungen. Ist ein Hund jung oder geschwächt, kann infolge des Flüssigkeitsverlustes auch der Tod eintreten. Du solltest immer eine Untersuchung und Behandlung durch einen Tierarzt durchführen lassen, um schwerwiegende Folgen für deinen Hund zu vermeiden.

 

Heyho 🙂 Ich bin Lea und ich schreibe aus Leidenschaft zum Tier auf Tiersinne. Ich bin offen für jede Art von Diskussion und freue mich auf jeden Austausch mit Gleichgesinnten, welche die gleiche Leidenschaft teilen: das Wohl der Tiere!
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