Juckreiz beim Hund – 6 Ursachen, Symptome, Therapie

Dein Hund kratzt und schüttelt sich ständig. Wahrscheinlich leidet er unter Juckreiz, einer extrem quälenden Empfindung. Ist Juckreiz aber eine eigene Erkrankung, oder nur ein Symptom? Hier findest du Informationen über die Ursachen von Juckreiz, und wie du das Allgemeinempfinden deines Hundes wieder verbessern kannst.

Aufbau der Haut

Die Haut ist das größte Organ des Körpers deines Hundes. Sie wehrt als Schutzbarriere schädliche Einflüsse von außen, wie UV- Strahlung oder Krankheitserreger, ab. Gleichzeitig dient sie als Sinnesorgan, das Reize von außen über zahlreiche Nervenfasern an das Gehirn weiterleitet.

Durch Abgabe von Duftstoffen trägt die Haut wesentlich zur Kommunikation mit anderen Hunden bei. Zusätzlich speichert sie Flüssigkeit, Salze, Zucker und Fette.

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Die Haut selbst besteht aus drei Schichten:

Die Epidermis, Oberhaut, bildet die eigentliche Grenze zur Außenwelt. Ohne sie würde der Körper ständig Wasser und lebensnotwendige Stoffe verlieren. In der Oberhaut befinden sich verschiedene Zellen, die eine reibungslose Funktion der Haut erst möglich machen. Am Nasenspiegel und den Sohlenballen ist die Oberhaut besonders dick ausgebildet, um ausreichend Sinneseindrücke übermitteln zu können, an der behaarten Körperoberfläche beträgt die Dicke nur 0,1 – 0,5 mm.

Die Dermis, Lederhaut, enthält viele Bindegewebszellen und Bindegewebsfasern. Zusätzlich sind in ihr zahlreiche Nerven und Blutgefäße, sowie Haarbläschen enthalten. Die Dermis sorgt für die Elastizität der Haut, sie enthält auch Muskeln, die für das Aufrichten der Haare zuständig sind. Schweiß- und Talgdrüsen sind für die Temperaturregulation des Körpers zuständig.

Die Unterhaut, Subkutis, besteht vor allem aus Fettzellen. Sie dient als Energiespeicher und hilft bei der Wärmeisolierung.

Was versteht man unter Juckreiz

Juckreiz ist eine sehr unangenehme Empfindung der Haut, die Kratzen, Scheuern und Lecken auslöst. Bei Juckreiz werden Botenstoffe, zum Beispiel Histamin, freigesetzt, die die Empfindung weiter verstärken. Das Gefühl „Juckreiz“ ist mit dem Gedächtnis verknüpft. Verschwindet die Ursache, die den Juckreiz ausgelöst hat, bleibt die Empfindung trotzdem noch bestehen. Dein Hund kratzt sich weiter.

Welche Arten von Juckreiz unterscheidet man

Pruritus cum materia: ist ein Symptom von verschiedenen Hauterkrankungen (Parasiten, Bakterien, Hautpilze)

Pruritus sine materia: entsteht durch eine Erkrankung der inneren Organe, wie Niereninsuffizienz und Diabetes mellitus.

Pruritus senilis: mit zunehmendem Alter verliert die Haut deines Hundes die Fähigkeit, Wasser zu binden, sie wird trocken und schuppt.

Neuropathischer Pruritus: durch ständige Reizung der feinen Nervenendungen in der Haut entsteht eine Missempfindung, die auch zur Selbstverstümmelung führen kann.

Ursachen

1. Flöhe:

 Juckreiz beim Hund

Juckreiz beim Hund – 6 Ursachen, Symptome, Therapie

Kannst du die Flöhe bereits direkt auf deinem Hund sehen, liegt ein hochgradiger Flohbefall vor. Meist halten sich Flöhe nur zum Zeitpunkt der Blutmahlzeit auf der Haut deines Hundes auf. Beißt der Floh den Hund, sondert er Speichel ab, um die Gerinnung des Blutes zu verlangsamen. Dieser Speichel erzeugt eine Ausschüttung von Histamin, die starken Juckreiz auslöst. Reagiert dein Hund überempfindlich auf Allergene im Flohspeichel, können schwere Hautentzündungen die Folge sein.2.

2. Zecken:

Führen an der Einstichstelle zu einer Reizung von Nervenendungen und lösen so Juckreiz aus.

3. Herbstgrasmilben:

Treten vor allem Mitte März bis Oktober auf. Die Larven der Herbstgrasmilben (Spinnentiere) halten sich auf Gräsern auf. Sie befallen vor allem die Haut im Bereich von Bauch, Burst, Kopf und Pfoten deines Hundes. Sobald die Blutaufnahme beendet ist, lassen sie sich fallen. Daher ist der direkte Milbennachweis am Körper deines Hundes nicht möglich.

4. Badedermatitis:

Zerkarien (Wasserparasiten) bohren sich in die Haut deines Hundes und lösen Juckreiz aus.

5. Futtermittelunverträglichkeit

Reagiert dein Hund auf im Futter enthaltenes Eiweiß oder Getreide allergisch, greift sein Immunsystem die Hautzellen an. Durch die Ausschüttung von Botenstoffen und Entzündungsstoffen wird Juckreiz ausgelöst.

6. Kontaktallergien

Viele Düngemittel und Unkrautvernichter sind auch für deinen Hund gefährlich. Nimmt dein Hund ein Pflanzenschutzmittel über die Nase auf, wird er beginnen, sich zu kratzen.

7. Stress

Leidet dein Hund unter Stress, oder bekommt er zu wenig Aufmerksamkeit, wird er als Ablenkung beginnen, Körperstellen zu benagen.

8. Infektion mit Bakterien und Hautpilzen

Durch eine Infektion mit Bakterien und Hautpilzen werden ebenfalls Botenstoffe ausgeschüttet, die Juckreiz verursachen.

9. Innere Erkrankungen:

Diabetes mellitus, Morbus Cushing, Fehlfunktionen der Schilddrüse und Erkrankungen von Leber und Niere können ebenfalls Juckreiz verursachen.

10. Ohrentzündungen

Verstopfte Analbeuteldrüsen

11. Autoimmunerkrankungen:

Atopische Dermatitis: eine chronische Hautentzündung, von der vor allem West Highland Terrier und Dalmatiner häufig betroffen sind. Durch ständiges Belecken infolge des Juckreizes entzündet und verdickt sich die Haut, es treten schwarze Verfärbungen auf.

12. Sebadenitis:

Das Immunsystem greift die Talgdrüsen der Haut an und zerstört sie. Es entstehen Juckreiz, nässende Ekzeme und Haarausfall.

Symptome

Dein Hund kratzt sich ständig, scheuert sich an verschiedenen Gegenständen, knabbert und beleckt Haut und Fell. Wenn du deinen Hund streichelst, wird er sich gegen dich lehnen und eine größere Intensität des Streichelns einfordern. Kratzt du deinen Hund im Rückenbereich, wird er ein Hohlkreuz machen, die Hinterbeine beginnen mit eigenen Kratzbewegungen.

Durch das ständige Kratzen wird die Haut trocken, es bilden sich vermehrt Schuppen, die mit dem Haartalg zu Krusten verkleben. Die Haut unter diesen Krusten ist gerötet, geschwollen. Oft bilden sich Pusteln und blutig nässende, eitrige Entzündungen. Die Haare brechen infolge der mechanischen Reizungen ab, das Fell sieht stumpf aus. Hält der Juckreiz an, beginnen die Haare auszufallen, runde, haarlose Stellen entstehen.

Hält der Juckreiz quälend lange an, kann es zu Selbstverstümmelungen kommen.

Diagnose

Flohtest: Lege das Blatt einer Küchenrolle unter deinen Hund und bürste sein Fell aus. Tropfe anschließend Wasser auf die aus dem Fell gefallenen, schwarzen Punkte. Färben sich diese rötlich, handelt es sich um Flohkot (verdautes Blut)

Hautgeschabsel: Unter dem Mikroskop können Räudemilben nachgewiesen werden.

UV- Lampe: das Fell deines Hundes wird mit UV- Licht bestrahlt. Viele Hautpilze sondern ein fluoreszierendes, gelblich- grünes Leuchten ab.

Blutuntersuchung:

Erhöhung von Creatinin und Harnstoff- Werten bei Nierenerkrankungen

Erhöhung von Leberenzymen bei Lebererkrankungen

Eosinophilie: Erhöhung der Anzahl der eosinophilen Blutzellen bei Allergien, Parasitenbefall und Entzündungen.

Anlegen von Bakterien- und Pilzkulturen im Labor.

Futtermittelallergien:

Führe mit deinem Hund eine Eliminationsdiät durch. Füttere über einen Zeitraum von mindestens sechs bis acht Wochen nur eine Fleischsorte. Anschließend kannst du eine weitere Sorte oder Getreide zufüttern. Beginnt dein Hund, sich wieder zu kratzen, reagiert er auf diesen Futterbestandteil allergisch.

Intradermaltest: nach der Rasur des Fells am Bauch wird ein Allergen in die Haut gespritzt. Bei einer allergischen Reaktion rötet sich die Einstichstelle, Schwellungen treten auf.

Therapie

Bade deinen Hund bei Parasitenbefall mit speziellem Flohshampoo. Schütze ihn anschließend mit Flohschutzbändern, spot- on Präparaten oder Tabletten vor einem neuen Parasitenbefall.

Kortison: Manchmal muss deinem Hund vom Tierarzt Kortison verabreicht werden, um den Juckreiz zu unterbinden. Kortison für zu einer sehr raschen Linderung des Juckreizes.

Kortisonfreie Therapien:

Leider sprechen Hunde auf Antihistaminika nur selten an, sie reagieren mit Schläfrigkeit, der Juckreiz bleibt meistens bestehen.

Der Einsatz von Ciclosporin sollte gut überlegt werden, da es sich hier um ein Chemotherapeutikum handelt, das das Immunsystem deines Hundes schwächt. Der Juckreiz ist erst nach circa 4 Wochen gemildert.

Januskinase- Hemmer können bei allergischem Juckreiz verabreicht werden. Sie hemmen die Bildung von Botenstoffen, die Juckreiz auslösen.

Bei einer Infektion mit Bakterien oder Pilzen werden Antibiotika oder Antimykotika verabreicht. Diese können sowohl lokal in Form von Salben, als auch in Form von Injektionen angewendet werden.

In der Hauptzeit der Herbstgrasmilben (März bis Oktober) sollte dein Hund nach jedem Spaziergang mit Wasser abgewaschen werden, um eventuell verbleibende Larven aus dem Fell zu spülen.

Vermeide bei Futtermittelallergien den Futterbestandteil, auf den dein Hund allergisch reagiert.

Naturheilkunde:

Aloe Vera Gel: wird direkt auf die Haut aufgetragen.

Sud aus getrockneter Ringelblume und Wasser vorsichtig auf die Haut auftragen, mehrmals täglich wiederholen.

Anisöl: eine Fellspülung mit Anisöl wirkt ähnlich wie ein Lokalanästhetikum, der Juckreiz wird gestoppt.

Kaltgepresstes Kokosöl: wird vorsichtig in die Haut einmassiert, um mehr Feuchtigkeit in der Haut zu binden und die Bildung von Schuppen zu verringern.

Zusammenfassung

Juckreiz bei deinem Hund kann durch sehr viele, verschiedene Auslöser entstehen. Es ist immer absolut notwendig, die Ursache von einem Tierarzt abklären zu lassen, um schwere, innere Erkrankungen auszuschließen. Leider ist eine Behandlung oft über einen sehr langen Zeitraum notwendig, führst du sie aber konsequent durch, ist es möglich, dieses Problem in den Griff zu bekommen.

Heyho 🙂 Ich bin Lea und ich schreibe aus Leidenschaft zum Tier auf Tiersinne. Ich bin offen für jede Art von Diskussion und freue mich auf jeden Austausch mit Gleichgesinnten, welche die gleiche Leidenschaft teilen: das Wohl der Tiere!
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