Niereninsuffizienz Katze – 9 Ursachen, Symptome und Therapie

Trinkt deine Katze in letzter Zeit mehr Wasser als früher, erbricht sie, oder steht sie vor der Futterschüssel und frisst nicht? Dann könnte sie ein Problem mit ihren Nieren haben.

In diesem Artikel findest du Informationen über die Niereninsuffizienz bei der Katze, die auftretenden Symptome, und wie du dieser Erkrankung vorbeugen kannst.

Aufbau und Aufgabe der Nieren

Die Nieren sind im Körper deiner Katze paarweise im Bereich der Lendenwirbelsäule angelegt. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Ausscheidung von Abfallprodukten über den Harn.

Die Nieren bestehen aus der Nierenrinde, dem Nierenmark und dem Nierenbecken. In der Nierenrinde befinden sich Glomeruli (Nierenkörperchen), die die Erstfiltration von Schadstoffen und Flüssigkeit aus dem Blut durchführen. Der Primärharn entsteht. Der Primärharn wird über Tubuli (Nierenröhrchen) weiter transportiert. Dabei wird der größte Teil der Flüssigkeit, Ionen und Aminosäuren wieder, zur weiteren Verwendung im Körper, zurückgewonnen. Glomeruli und Tubuli bilden die Filtrationseinheiten der Niere, die Nephrone. Der konzentrierte Harn wird im Nierenbecken gesammelt und über die Harnleiter an die Harnblase zur Ausscheidung weitergeleitet.

In der Niere wird das Hormon Erythropoetin gebildet. Dieses greift in die Bildung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) ein. Ist im Blut, das zur Niere gelangt, zu wenig Sauerstoff enthalten, wird vermehrt Erythropoetin ausgeschüttet, das im Knochenmark die Bildung von roten Blutkörperchen anregt.

Ein weiteres Hormon, das in der Niere gebildet wird, ist Renin. Ist der Blutdruck deiner Katze zu niedrig, wird Renin ausgeschüttet, der Blutdruck steigt an. Da bei vielen Nierenerkrankungen, wie Infarkten, Stenosen, die Durchblutung der Nieren verringert ist, wird automatisch eine zu hohe Konzentration an Renin ausgeschüttet. Der Blutdruck deiner Katze ist ständig erhöht.

Was passiert im Körper deiner Katze, wenn die Nieren ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen können

Bei dem Abbau von Nahrungsbestandteilen entstehen im Körper ständig Gifte, die normalerweise mit dem Harn ausgeschieden werden. Stellen die Nieren ihre Arbeit ein, können die Giftstoffe nicht mehr ausgeschieden werden und zirkulieren weiter im Blut. Sie verursachen Übelkeit, deine Katze stellt die Nahrungsaufnahme weitgehend ein. Daher ist es vor allem bei älteren Katzen wichtig, bei Auftreten von Übelkeit, Erbrechen und Verweigerung des Futters immer einen Tierarzt aufzusuchen und die Nierenwerte im Rahmen einer Blutuntersuchung bestimmen zu lassen.

Die Nieren können Teilausfälle des Nierengewebes sehr gut ausgleichen, auch mit nur einer funktionierenden Niere kann deine Katze noch gut leben. Sind über 75% des Nierengewebes zerstört, wird die Situation problematisch. Das verbleibende Nierengewebe kann die Filtrationsarbeit nicht mehr ausreichend erfüllen, erste körperliche Symptome treten bei deiner Katze auf.

Ist Nierengewebe erst einmal, unabhängig von der Ursache, zerstört, kann es sich nicht mehr regenerieren, es wird durch Bindegewebe ersetzt.

Bei welchen Katzen tritt Niereninsuffizienz auf

Niereninsuffizienz kann bei Katzen aller Rassen vorkommen. Bei einigen Rassen, wie zum Beispiel Perserkatzen, wird eine Neigung zu starker Zystenbildung auf den Nieren vererbt- PKD (polycystic kidney disease) Diese Tiere besitzen oft schon von Geburt an eine eingeschränkte Nierenfunktion.

Meistens tritt die Niereninsuffizienz bei älteren Katzen, ab dem achten Lebensjahr, auf.

Ursachen

1. Alter:

  • Da die Nierenleistung im höheren Alter nachlässt, sind vor allem ältere Katzen von Niereninsuffizienz betroffen.

2. Traumata:

  • durch Verletzungen entstehen im Nierengewebe Vernarbungen aus Bindegewebe

3. Schlechte Durchblutung:

  • wird das Nierengewebe nicht ausreichen durchblutet, bilden sich Infarkte, die Funktion der Nieren ist eingeschränkt. Diese verminderte Durchblutung kann nach Unfällen durch Schockzustände, Blutverluste oder mechanische Behinderungen durch Nierensteine oder durch Thrombosen (Verschluss von Gefäßen durch Blutklümpchen) verursacht werden.

4. Vergiftungen:

  • Verschiedene Pflanzen, wie Wolfsmilchgewächse, Liliengewächse, Frostschutzmittel oder Medikamente, wie Aspirin, können die Nierenarbeit beeinträchtigen.

5. Missbildungen:

  • Zysten im Nierengewebe schränken die Arbeitsleistung der Niere ein

6. Infektionen:

  • schwere Nierenentzündungen (Nephritis) durch über die Harnwege aufsteigenden Bakterien führen ebenfalls zu einer Niereninsuffizienz. Auch Virusinfektionen, wie Leukose, verursachen eine Nierenschwäche.

7. Narkose:

  • während der Narkose kann es durch schlechte Durchblutung, oder Bildung von Thromben zu einer Schädigung der Nieren kommen. Die Symptome treten oft erst eine Woche nach der erfolgten Anästhesie auf.

8. Autoimmunerkrankungen:

  • körpereigene Antikörper deiner Katze richten sich gegen ihre Nieren, die Nierengefäße werden verstopft. Die Nieren können nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Nierengewebe stirbt ab, die Niere arbeitet nicht mehr in vollem Ausmaß.

9. Überdosierung von Vitamin D:

  • eine Überversorgung mit Vitamin D über einen längeren Zeitraum führt zu Kalkablagerungen in der Niere. Das Nierengewebe wird nicht mehr ausreichend durchblutet, Nierenzellen sterben ab.

Welche Faktoren erhöhen das Risiko für eine Erkrankung an Niereninsuffizienz

Fortgeschrittenes Alter, zu wenig Wasseraufnahme und Austrocknung des Körpers, Medikamentenkombinationen, Herzerkrankungen, Lebererkrankungen, Blutvergiftung und Fieber erhöhen das Risiko für deine Katze an Nierenschwäche zu erkranken.

Welche Formen von Niereninsuffizienz gibt es

  1. Akutes Nierenversagen- akute Niereninsuffizienz ANI

Bei akutem Nierenversagen kommt es schlagartig zu einer schweren Schädigung der Nieren, diese können ihre Funktion nur mehr teilweise, oder gar nicht mehr erfüllen. Die Symptome treten sofort nach dem auslösenden Ereignis auf.

Katzen mit akutem Nierenversagen befinden sich in einem lebensbedrohlichen Zustand, sie müssen sofort intensiv von einem Tierarzt versorgt werden. Ist der Nierenschaden nicht zu groß und übersteht deine Katze die schwere Erkrankung, können die Nierenschäden wieder vollständig verschwinden. Bleiben Zellschäden in der Niere bestehen, kann die akute Niereninsuffizienz in eine chronische Niereninsuffizienz übergehen.

  1. Chronisches Nierenversagen- chronische Niereninsuffizienz CNI
Katzenkrankheiten Niereninsuffizienz

Akutes Nierenversagen und chronisches Nierenversagen sind Formen von Niereninsuffizienz

Die chronische Niereninsuffizienz gehört zu den häufigsten Erkrankungen und Todesursachen bei älteren Katzen. Bei dieser Erkrankung werden die Nierenkörperchen über einen längeren Zeitraum hinweg zerstört. Erst wenn mindestens 75% des Nierengewebes irreversibel geschädigt sind, treten erste körperliche Symptome auf.

Die chronische Niereninsuffizienz ist nicht heilbar, eine lebenslange Therapie ist erforderlich. Durch Fütterung von Diätfutter, Infusionen und Medikamenten, die die Niere unterstützen, kann das Fortschreiten der Erkrankung über einen längeren Zeitraum verlangsamt werden.

Stadien der Niereninsuffizienz

  1. Stadium 1

Deine Katze sieht äußerlich gesund aus. Die Nierenfunktion ist geringfügig reduziert.

  1. Stadium 2

Die Niere ist bemüht, nicht funktionierende Nephrone auszugleichen, weiteres Gewebe wird durch die Überlastung geschädigt. Deine Katze trinkt mehr und setzt mehr Harn ab.

  1. Stadium 3

Da mehr als 2/3 der Nephrone abgestorben sind, werden deutliche Symptome sichtbar. Deine Katze erbricht, magert ab, ist teilnahmslos und verliert Gewicht. Das Fell wird struppig.

  1. Stadium 4

Die Nieren arbeiten nur mehr sehr eingeschränkt. Harnstoff und andere Giftstoffe reichern sich im Körper an, es entsteht eine tödlich endende Harnvergiftung, eine Urämie.

Symptome

  1. ANI

Deine Katze äußert starke Schmerzen, sie frisst nicht und erbricht immer wieder. Durchfall tritt auf. Durch die höhere Konzentration von Harnstoff im Blut und die Ausscheidung des Giftstoffes über die Mundschleimhaut, hat deine Katze einen unangenehmen Mundgeruch, sie riecht „urämisch“. Deine Katze ist matt, sie spielt nicht mehr. Harn wird entweder gar nicht, oder unkonzentriert in großen Mengen ausgeschieden.

Legst du die Hände im Bereich der Nieren auf den Körper deiner Katze, ist dieser Bereich deutlich wärmer als die Umgebung.

  1. CNI

Deine Katze erbricht regelmäßig, sie frisst nicht mehr gerne und verweigert auch ihr Lieblingsfutter. Sie leidet ständig unter Übelkeit. Deine Katze trinkt auffällig mehr Wasser und setzt große Mengen an hellem, unkonzentriertem Harn ab. Durch die fehlende Rückresorption von Flüssigkeit trocknet der Körper aus. Hebst du eine Hautfalte im Bereich des Rückens deiner Katze an, bleibt diese Hautfalte stehen und verstreicht nicht, wie sonst üblich. Das Fell ist struppig, glanzlos und in schlechtem Zustand. Oft stellen die Katzen jede Putztätigkeit ein. Besteht der Zustand länger, hat deine Katze aufgrund einer Anämie (Blutarmut) blasse Schleimhäute. Sie verliert immer mehr an Gewicht.

Der über die Mundschleimhaut ausgeschiedene Harnstoff verursacht Geschwüre im Mund, deine Katze strömt einen „urämischen“ Geruch aus. Vermehrter Speichelfluss tritt auf. Durch die Entzündung der Mundschleimhaut entstehen Zahnschäden.

Der Blutdruck deiner Katze ist erhöht, Teile der Netzhaut im Auge deiner Katze sterben durch den erhöhten Augendruck ab. (hypertensive Retinopathie)

Im Gewebe treten Blutungen und Ödeme auf.

Hält die Nierenschwäche weiter an, steigt die Konzentration des Harnstoffes im Blut auf lebensbedrohliche Ausmaße. Deine Katze leidet unter Krämpfen, schließlich fällt sie ins Koma und stirbt.

Diagnose

Blutuntersuchung:

  • Bei der Blutuntersuchung werden die beiden Nierenwerte Harnstoff und Kreatinin bestimmt. Sind die Nieren mehr als 60% geschädigt, beginnt der Kreatiningehalt im Blut zu steigen.
  • Zuverlässiger als die Kreatinin- Bestimmung ist der SDMA- Test: Ein Biomarker, symmetrisches Dimethylarginin, welches beim Proteinabbau entsteht, wird ausschließlich über die Nieren ausgeschieden. Der Wert dieses Biomarkers ist wesentlich früher erhöht als der Kreatinin- Wert.

Phosphat:

  • wird ebenfalls über die Nieren ausgeschieden. Ein erhöhter Phosphatspiegel im Blut deutet auf eine verringerte Nierenfunktion hin.

Blutdruckmessung:

  • Durch vermehrte Ausschüttung von Renin erhöht sich der Blutdruck deiner Katze. Die Messung erfolgt über eine spezielle Manschette, die am Vorderbein oder am Schwanz deiner Katze angelegt wird.

Harnuntersuchung:

  • Das spezifische Gewicht des Harns ist verringert.

Ultraschall:

  • Schädigung des Nierengewebes und Ersatz durch Bindegewebe kann mit Hilfe der Ultraschalluntersuchung dargestellt werden.

Therapie

Sowohl bei der ANI als auch bei der CNI ist eine sofortige Untersuchung und Behandlung durch einen Tierarzt für das Überleben deiner Katze wichtig. Eventuell muss deine Katze einige Zeit stationär in der Tierklinik verbringen.

Infusionen mit Elektrolytlösungen gleichen den Flüssigkeitsmangel im Körper deiner Katze aus. Bei Vergiftungen wird ein Gegengift verabreicht. Um die Produktion von Urin anzuregen werden harntreibende Medikamente verabreicht.

Dialyse:

  • Sind normale Infusionen über die Vene nicht ausreichend, müssen die Giftstoffe mittels Dialyse aus dem Körper ausgeschwemmt werden. Sie wird vor allem dann durchgeführt, wenn deine Katze nur mehr wenig oder gar keinen Harn produziert.

Peritonealdialyse:

  • Die Flüssigkeit wird in den Bauchraum deiner Katze eingebracht und über das Bauchfell (Peritoneum) resorbiert.

Hämodialyse:

  • kann mit speziellen Geräten nur in einigen Kliniken durchgeführt werden. Diese Form der Dialyse muss mehrmals pro Woche durchgeführt werden und dauert jeweils sechs bis acht Stunden. Sie ist erfolgreicher als die Peritonealdialyse.

ACE- Hemmer:

  • senken den Blutdruck, unterstützen die Herzfunktion und die Ausscheidungstätigkeit der Niere. In einigen Tabletten ist Vanille enthalten, um die Akzeptanz deiner Katze bei täglicher Eingabe zu erhöhen.

Diätfutter:

  • Nierendiätfutter enthält hochwertiges, leicht verdauliches Protein. Es enthält weniger Phosphor als normales Futter und schont dadurch die Nieren deiner Katze. Falls das Futter deiner Katze nicht schmeckt, kannst du anfangs einige Tropfen ungewürzten Thunfischsaft untermischen.

Kochst du für deine Katze selbst, solltest du Rindfleisch, Knochen und Haferflocken vermeiden.

Niereninsuffizienz Katze

Nierendiäten für Katzen ist eine mögliche Therapie bei Niereninsuffizienz

Rezept für selbstgekochte Nierendiät:

  • 200 g Hühnerleber
  • 100 g Reis oder Kartoffel gekocht
  • 1 hartgekochtes Ei
  • 1 Teelöffel kaltgepresstes Distelöl
  • 10 g gemahlene Eierschalen
  • 1 Messerspitze Salz
  • 250 mg Taurin/ Tag in Form von Pulver oder Taurinpaste
  • Um das Futter schmackhafter zu machen, sollte es mit ausreichend Wasser versetzt werden.

Futtermenge: 100 g Futter/ 2 kg Körpergewicht

Selbstgekochtes Futter ist aber nie so ausgewogen in den Inhaltsstoffen, wie standardisiert gefertigte Futtermittel. Sprich die Zusammensetzung einer selbstgekochten Nierendiät immer mit einem Tierarzt ab.

Im Handel und beim Tierarzt sind auch spezielle Leckerchen für nierenkranke Katzen erhältlich.

Homöopathie:

  • Homöopathische Präparate, wie Renes, regen die Ausscheidungstätigkeit der Niere an. Diese Mischpräparate können in Form von Injektionen, oder über das Futter verabreicht werden.

Was kannst du vorbeugend tun

Ab einem Alter von acht Jahren solltest du deine Katze einem Tierarzt zur Durchführung einer Vorsorgeuntersuchung vorstellen. Ultraschall und Blutuntersuchung geben über den Zustand der Niere Auskunft. Lass regelmäßig den Blutdruck deiner Katze messen.

  1. Vermeide Giftpflanzen in deiner Wohnung, damit deine Katze nicht daran knabbern kann.
  2. Lagere Medikamente so, dass deine Katze diese nicht irrtümlich fressen kann.
  3. Ernähre deine Katze artgerecht und mit hochwertigem Futter.
  4. Mische Phosphatbinder, wie Ipakitine oder Renalzin unter das Futter, damit deine Katze nicht zu viel Phosphat über das Futter aufnimmt.
  5. Stelle deiner Katze immer genügend frisches Trinkwasser zur Verfügung. Trinkt sie nicht genug, kannst du 1 Löffel Wasser in jede Futterportion mischen.
  6. Füttere Vitaminpräparate nur nach Rücksprache mit einem Tierarzt.

Zusammenfassung

Niereninsuffizienz ist immer eine lebensbedrohliche Erkrankung für deine Katze. Je früher eine Behandlung durch einen Tierarzt beginnt, umso größer ist die Chance, dass deine Katze noch lange ein artgerechtes Leben führen kann. Lass regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen bei einem Tierarzt durchführen, um schon bei den ersten Anzeichen eines Abfalls der Nierenleistung reagieren zu können.

Niereninsuffizienz ist nicht heilbar, mit einer lebenslangen Therapie kann das Fortschreiten der Erkrankung aber verlangsamt werden.

Heyho 🙂 Ich bin Lea und ich schreibe aus Leidenschaft zum Tier auf Tiersinne. Ich bin offen für jede Art von Diskussion und freue mich auf jeden Austausch mit Gleichgesinnten, welche die gleiche Leidenschaft teilen: das Wohl der Tiere!
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